Die Dunkelheit in den Bergen

Silvio Huonder

Ein hochspannender historischer Kriminalfall, in dem finstere Gestalten mit einer schaurig-schönen Landschaft verschmelzen: Anarchie ist in Graubünden im 19. Jahrhundert an der Tagesordnung. Deserteure, Diebe und Bettler streifen plündernd durch die Berge. 1821 geschieht in der Mühle bei Bonaduz ein brutaler Mord. Der Verhörrichter Baron von Mont begibt sich mit zwei heimgekehrten Söldnern auf die Spur des Verbrechens. Die Detektivarbeit in den abgelegenen Tälern ist beschwerlich. Dennoch gelingt es von Mont, mehrere Verdächtige aufzuspüren und vor das Kriminalgericht in Chur zu bringen. Ein packender Schauerroman, den man nicht mehr aus der Hand legen kann. (Nagel & Kimche)

Recensione

di Liliane Studer

Pubblicato il 22/01/2013

Mit dem Roman Die Dunkelheit in den Bergen kehrt der Bündner Silvio Huonder, der seit vielen Jahren mit seiner Familie in der Nähe von Potsdam lebt, in seine Heimat zurück, und zwar in das Graubünden jener Zeit, als Napoleons Truppen einen schwer geplünderten Kanton zurückgelassen hatten und die Bevölkerung unter Armut, Rechtswillkür und Amtsmissbrauch zu leiden hatte. Deserteure, Diebe und Landstreicher ziehen durchs Land und versetzen die Leute in Angst und Schrecken; Barone, Wachtmeister und Landjäger wissen nicht mehr weiter. So ist es auch, als 1821 im Sommer in der Weihermühle bei Bonaduz der Müller und seine jetzige Magd ermordet aufgefunden werden, ebenso seine frühere Magd, beide sind schwanger, beide vom selben Mann, dem Müller. Wer der Mörder, der verschiedentlich in der Gegend herumziehend gesehen worden ist, sein muss, ist rasch klar. Und als die Frau vom älteren Bonadurer ihren Mann beim Baron verzeigt, er sei in der Nacht des dreifachen Mords ebenfalls in der Mühle gewesen, er und sein Bruder zusammen mit Rimmel, weiss der Untersuchungsrichter auch, dass 1) der Hauptverdächtige nicht allein war und dass 2) eben dieser Hauptverdächtige bei seiner früheren Aussage gelogen hat. Ergo kann man ihm nie mehr glauben.

Eine zentrale Rolle bei der Suche nach den Mördern, spielen die beiden Landjäger Rauch und Hostetter. Sie sind zu ihrem Amt letztlich durch Zufall gekommen. Nach einiger Zeit als Söldner im Norden sind sie in die Heimat zurückgekehrt, wo sie umgehend von Baron Mont zu Landjägern gemacht werden, um bei der Suche nach dem Mörder, den Mördern zu suchen. Sie erweisen sich als ausgesprochen tüchtig, scheuen keine Gefahr bei der Verfolgung des Täters und bringen diesen erfolgreich nach Chur und zu seiner «gerechten» Strafe. Ebenso pflichtbewusst ist der junge Baron Mont, der seine Aufgabe äusserst ernst nimmt – und sich nur selten durch seine reizvolle attraktive Gemahlin ablenken und verführen lässt. Selbstverständlich erst nach getaner Pflicht. Nach gut 220 Seiten ist der Mord halbwegs aufgeklärt, die Hintergründe bleiben letztlich jedoch im Dunkeln verborgen – wie es auch im Realfall gewesen sein muss; auch der historische Fall, auf dem der Roman basiert, sei nie restlos aufgeklärt worden.

Nach der Lektüre dieses Romans bleibt vor allem eine Leere zurück. Und ein Kopf voller Fragen. Wie kann ein Autor, der in seinen früheren Romanen, Erzählungen, Theaterstücken und Hörspielen aufgefallen ist durch genaue Sprache, einen Text vorlegen, der sprachlich dürftig, vielenorts gar missglückt ist? Wo sind Huonders Fähigkeiten geblieben, Spannungen zu entwickeln, Figuren zu zeichnen, Handlungsstränge zu gestalten? Es bleibt die Hoffnung, dass Huonder in einem nächsten Roman wiederum zeigen wird, was er wirklich kann.